Linke Ideologen führen uns in die Identitätslosigkeit

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Fotos: Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Eine Gesellschaft ohne positive und richtunggebende Werte und Ziele zerfällt. Wir können uns keine Zukunft aufbauen, wenn wir immer nur dazu aufgefordert werden, Traditionen zu überwinden und zu bekämpfen, anstatt auf den Leistungen unserer Vorfahren aufzubauen.

Alle Gesellschaften bauen auf gemeinsamen Mythen, Geschichten, Traditionen, Zielen, Tugenden, Werten und Normen auf. Ein gemeinsamer Narrativ schweißt die Gesellschaft zusammen. Dabei ist die Botschaft wichtiger als die historische Korrektheit. Die Geschichte der Mayflower ist der Gründungsmythos der amerikanischen Siedler. Der Exodus aus Ägypten ins Gelobte Land ist der Gründungsmythos des Volkes Israel. Und auf welchem Gründungsmythos bauen wir als Deutsche und Europäer auf?

Die postmoderne westliche Welt baut auf negativen Imperativen auf

Eine Gesellschaft braucht einen positiven (das heißt bejahenden) Imperativ, der ihr Richtung und Ziel gibt. Dieser fehlt uns. Jedenfalls heutigentags.

Zurzeit gelten zuvorderst negative (das heißt verneinende) Imperative: Nie wieder Nationalismus. Nie wieder Totalitarismus. Nie wieder Kolonialismus. Nie wieder Imperialismus. Nie wieder Rassismus. Alles richtig und wichtig. Aber reicht das? Reich ein »nie wieder«? Kann man darauf eine Zivilisation aufbauen?

Ein anderer wichtiger Imperativ, nämlich »nie wieder Krieg«, wurde durch die Bundeswehreinsätze im Ausland bereits über Bord geworfen. Ausgerechnet der Grüne Joschka Fischer hatte dafür den Weg geebnet. Der Imperativ »nie wieder Deutschland« erfreut sich dagegen gerade in der anti-deutschen links-grünen Szene größter Beliebtheit.

Stets geht es vorrangig um Überwindungen alter Normen: Überwindung des Patriarchats, Überwindung der Familie, Überwindung der Gender-Normen bzw. der Heteronormativität, Überwindung der Nationalitäten, Überwindung nationaler Grenzen (»open borders«), Überwindung »völkischen« Gedankenguts, Überwindung der geschlossen Gesellschaft (»closed society« versus »open society« – George Soros lässt grüßen!) sowie (für gewissen Gruppen) die Überwindung der Religion (insbesondere des Christentums zugunsten einer Vielfalt von Ersatzreligionen im Konsumangebot).

Die Überwindungen erfolgen im Rahmen des Dekonstruktivismus, des Relativismus, der Emanzipation. Jeder emanzipiert sich von allem. Alles wird relativiert. Alles wird dekonstruiert. Nichts hat Bestand.

Dieser Zeitgeist steht im krassen Gegensatz zu dem, was die abendländische Zivilisation einst groß gemacht hat, nämlich das Beharren auf positive Werte, die Richtung und Ziel vorgeben: Christentum, Vaterland, Heimat, Gemeinde, Familie, Heiligkeit der Ehe, Traditionen, Brauchtum, Wertigkeit der Arbeit und des Berufsstandes, Zukunft der Kinder und Kindeskinder.

All diese Werte gelten heute als reaktionär. Sie werden als überkommen oder in bestimmten Kontexten sogar als »völkisch-braunes Gedankengut« dargestellt. Das ist der schlimmste Vorwurf, den es zurzeit gibt. Er kommt immer dann, wenn Europäer oder Nordamerikaner dieses Gedankengut artikulieren. Wenn ein Thailänder sich zur Heiligkeit seines Königs, zum Buddhismus, zu Thailand, zu seinen Traditionen und zu seiner Familie bekennt, hat niemand Probleme damit.

Die islamische Welt baut auf positiven Imperativen auf

In der islamischen Welt herrscht das komplette Gegenteil. Ihr Gründungsmythos ist das Leben des Propheten Mohammed. Richtunggebend sind die Offenbarungen Allahs, verzeichnet im Koran, ergänzt durch die Hadithen, den Erzählungen aus dem Leben Mohammeds. Die daraus abgeleitete Scharia gibt Normen und Werte vor. Es sind Anweisungen, Gebote und Verbote, für das Leben insgesamt, für die Gesellschaft und das Individuum. Muslime tragen keine Erbschuld mit sich. Sie bauen auf keinem negativen Imperativ auf. Ihr Imperativ ist positiv: Lebe nach den Werten und Normen des Islam und trage zu dessen Verbreitung bei.

Wie soll nun ein Zusammenleben in Europa aussehen, wenn eine expansiv-positive Wertegemeinschaft auf eine negativ-schuldbeladene Wertegemeinschaft trifft? Wenn die einen sich ideologisch selbst zerlegen, indem sie alle eigenen Traditionen und ihre gewachsene Kultur ablehnen und überwinden wollen, während die anderen frei von jeder Kritik einer fest vorgegebenen Richtung folgen? Der Koran, der Prophet und das Wort Gottes dürfen nicht hinterfragt werden! Hier gibt es keinen Dekonstruktivismus, keinen Relativismus, keine Emanzipation. Werte und Normen im Islam sind absolut. Sie sind nicht verhandelbar.

Über die Folgen des Aufeinandertreffens solcher Gegensätze hatte sich vor der Öffnung der europäischen und deutschen Grenzen anscheinend niemand ernsthaft Gedanken gemacht. Jedenfalls niemand in der Regierung. Dass Identität ein konstituierendes Element eines jeden Individuums und jeder Gesellschaft ist, kam den Regierenden niemals in den Sinn. Deutschland soll identitätslos sein. Machen wir uns nichts vor: »Bunt« ist ein anders Wort für identitätslos. Es steht für alles und nichts.

China hat den negativen Imperativ überwunden und einen neuen positiven gefunden

Die marxistischen Ausuferungen der Kulturrevolution waren die letzte Schocktherapie für das Reich der Mitte. Man hatte eingesehen, dass es so nicht weitergeht. Die Überwindung alter Traditionen und Werte hatte Chaos und Elend hinterlassen. Schritt für Schritt, »den Fluss durchwatend, indem man mit dem Fuß Stein für Stein fühlt« (Deng Xiaoping), hat sich China eine neue positive Richtung gegeben. Diese besteht in dem wirtschaftlichen Erfolgsbestreben und in der Kreation einer Art »Neo-Konfuzianismus«. Man hat den alten Konfuzius wieder aus der Mottenkiste geholt und auf diese Weise zu den Traditionen und Familienwerten, vor allem aber zum Zusammenhalt der Gesellschaft zurückgefunden. Vorbei ist der Horror der Kulturrevolution, in der die Kinder ihre Eltern an die Parteisoldaten verrieten und den Tempel ihres Ortes verwüsteten. Jetzt gibt es wieder gegenseitigen Respekt.

Welche positiven Werte wären zeitgemäß? Welche wären sinnvoll für die heutige Gesellschaft?

Die Familie ist der Kern jeder Gesellschaft. Sie war es seit Jahrtausenden in nahezu allen Gesellschaften. Die Auflösung der Familie zugunsten einer Masse von Individuum oder einer Patchwork-Familie als Ersatz trägt maßgeblich zum Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Solidarität bei. Viele armutsgefährdete Menschen in Deutschland sind alleinerziehende Mütter oder unterhaltspflichtige Väter. Während es schon bei einer normalen Familie schwierig ist, mit einem oder zwei Gehältern durchzukommen und die Kinder großzuziehen, wird es umso schwieriger, wenn Vater und Mutter jeweils einen eigenen Haushalt finanzieren müssen. Statistiken aus den USA zeigen, dass Kinder aus vaterlosen Haushalten häufiger kriminell werden, öfter zu Drogen greifen und einer größeren Gefahr ausgesetzt sind, Suizid zu begehen.

Während Alleinerziehende (meistens Mütter) finanziell und zeitlich überfordert sind, sind Unterhaltspflichtige (meistens Väter) finanziell ebenfalls oftmals überfordert. Wer nach seiner Scheidung Haus und Vermögen verliert, für drei Kinder Unterhalt und für die Frau Alimente zahlen muss, dem bleibt bei durchschnittlichem Einkommen oftmals nur die Pfändungsgrenze zum Leben. Selbst diese wird gelegentlich noch unterschritten.

Tatsache ist, dass die Gesellschaft in Deutschland wesentlich weniger soziale Probleme und weitaus mehr Kinder hätte, wenn der Familienzusammenhalt noch Bestandteil der gesellschaftlichen Normen und Werte wäre. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Ein positiver Imperativ könnte also lauten: »Schützt die Familie und die Zukunft unserer Kinder und Enkel«.

Europa der Nationen und Regionen

Das Zusammenwachsen Europas ist an sich eine positive Entwicklung. Doch die Auflösung regionaler und nationaler Identitäten und Zugehörigkeiten in einem supranationalen Ganzen und die Einführung einer allumfassenden gesamteuropäischen Bürokratie stößt in weiten Teilen der Zivilgesellschaft auf Widerstand.

Hierbei kommt eine eklatante Heuchelei zum Vorschein, nämlich die Propagierung der »Vielfalt«. »Vielfalt ist unsere Stärke« – »Diversity is our strength« lautet das Motto. Doch damit ist nicht die Vielfalt der Kulturen, Völker und Brauchtümer gemeint, mit denen Europa reich gesegnet ist. Vielmehr steht Vielfalt, nach den Vorstellungen der Globalisten, für eine europaweite Monokultur des »Mischmaschs«. Am dystopischen Ende dieser Entwicklung ist die Vielfalt der Völker und Kulturen aufgelöst in einem Gemisch, das sich überall auf der Welt ähnelt. Damit wird genau das Gegenteil dessen eintreten, was uns als Ziel propagiert wird. Propagierte Vielfalt endet im Einheitsbrei.

Ein positiver Imperativ könnte also lauten: »Ein starkes Europa durch die Vielfalt und Verschiedenheit der europäischen Länder, Völker und Kulturen!«.

Sind die Würfel schon gefallen?

Ist es schon zu spät für einen Richtungswechsel? Von ganz oben, von der UN und EU bis hin zu den Medien und dem Erziehungssystem hat sich die kulturmarxistische Ideologie mit ihren dekonstruktivistischen Ideen durchgesetzt. Unseren Kindern wird der Glaube an die Familie genommen und die Welt als pink-rosa Transgender-Universum mit kunterbuntem Patchwork ausgemalt. Unsere Schüler und Studenten werden von Lehrern und Professoren ausgebildet, die direkt oder indirekt von der 1968-Generation geprägt sind. In der Politik ist es in fast allen Parteien tabu, die massenhafte Immigration zu kritisieren. Wer Widerspruch wagt, braucht ein starkes Rückgrat.

Doch es ist noch nicht aller Tage Abend. Der Zusammenbruch des Ostblockes ab 1989 hat uns vor Augen geführt, wie ein System kollabiert, wenn es auf Lebenslügen aufgebaut ist. In der Zivilgesellschaft wachsen langsam aber beharrlich Kritik und Zweifel am derzeitigen Gesellschaftstrend. Die Schweigespirale wird durchbrochen. Bald wird das Fundament morsch und das Ideologie-Gebäude bricht zusammen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf freiewelt.net

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