Die Konsensmaschine: Wie die Mainstream-Medien uns mit Schulz eine Alternative vorgaukeln

Schulz ist keine Alternative zu Merkel. Doch die Mainstream-Medien versuchen es uns so zu verkaufen. Sie inszenieren ein Spannungsfeld, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. So erzwingen sie einen Konsens und unterdrücken andere Meinungen.

Ein Beitrag von Sven v. Storch

Die große Koalition mit Angela Merkel als Bundeskanzlerin wurde von den Mainstream-Medien lange Zeit als alternativlos dargestellt. Wie immer bei großen Koalitionen zwischen der Union und der SPD, hat dies zu Politikverdruss geführt. Nun haben die Mainstream-Medien Martin Schulz für sich entdeckt und verkaufen ihn als Alternative zu Angela Merkel. Dabei gibt es kaum nennenswerte Unterschiede zwischen Schulz und Merkel. Beide stehen für mehr EU und offene Grenzen.

Der Trick, den die Mainstream-Medien angewandt haben, stammt aus der Werkzeugkiste der Propaganda. Es wird ein Spannungsfeld zwischen zwei politischen Gruppierungen aufgebaut, zwischen denen sich die Wähler entscheiden sollen: Schulz oder Merkel. Andere Richtungen werden marginalisiert oder als populistisch etikettiert. Damit wird der offene Diskurs abgewürgt, bevor er überhaupt angefangen hat.

Die Mainstream-Medien funktionieren wie eine Konsens-Maschine

Der US-amerikanische Wissenschaftler Noam Chomsky nennt diese Methode „manufacturing consent“. Es wird künstlich ein Konsens produziert, indem alle Nachrichten und Kommentare in den Leit- und Massenmedien innerhalb eines vorgegebenen Spannungsfeldes angesiedelt werden. Dadurch entsteht der Eindruck eines offenen Diskurses. Die Medien-Konsumenten glauben einen echten Meinungsbildungsprozess in der Gesellschaft zu verfolgen. In Wirklichkeit sind unsichtbare Rahmen gesetzt, die den Diskurs innerhalb des vom Establishment erlaubten Spannungsfeldes halten.

Wenn man bedenkt, wie sowohl die Union als auch die SPD einhellig nebeneinander die große Koalition verkörpern, ist es verwunderlich, dass andererseits der Zivilgesellschaft beide Parteien als Gegensätze verkauft werden können. Dies beweist die bisherige Meinungsmacht der Massenmedien.

Mit einer doppelten Agenda wird ein Schaukampf inszeniert

Die Schaffung des Konsensus beginnt mit dem Setzen der Agenda. Tendenziell und traditionell sozialdemokratisch angehauchte Zeitungen, wie etwa die Frankfurter Rundschau, inszenieren Martin Schulz als neuen Hoffnungsträger der Sozialdemokratie. Tendenziell und traditionell eher der CDU und der FDP nahestehende Zeitungen, wie beispielsweise die Frankfurter Allgemeine, pflegen das gute Bild von Merkel oder betonen, wie wichtig die ergänzenden Perspektive der FDP sei. Andere wichtige Leit-Medien, wie etwa Der Spiegel und Die Zeit, schwanken in ihrer Favorisierung zwischen Merkel und Schulz, ebenso die Springerpresse (Bild). Daraus ergibt sich das Bild eines politischen Kampfes zwischen Angela Merkel und Martin Schulz, zwischen Union und SPD. Je mehr zwischen diesen beiden Seiten polarisiert wird, desto weniger Zeit und Raum widmen die Zeitungen den anderen kleinen Parteien. Das Parteiprogramm der AfD beispielsweise wird nicht diskutiert. Über die AfD wird von diesen Mainstream-Medien nur dann berichtet, wenn es etwas angeblich Skandalöses zu berichten gibt.

Wichtige Themen, welche die Bürger sehr bewegen, die jedoch aus dem Rahmen des gewünschten Spannungsfeldes herausfallen, werden wie Axiome behandelt, das heißt wie Grundsätze, die nicht mehr diskutiert oder bewiesen werden müssen.

Ein Beispiel ist der vorgegebene Zwang, die EU unterstützen zu müssen. Die Rhetorik gibt vor, dass wer gegen die EU ist, nur von „Hass“ und „Nationalismus“ getrieben sein kann. Die Verteilung der Meinungen im Diskurs der Mainstream-Medien wird so organisiert, dass zwar unterschiedliche Auffassung zu Details der EU ausdiskutiert werden, aber niemand die EU wirklich als solche infrage stellt. Durch die Filterung des Informationsflusses werden EU-kritische Meinungen heraus selektiert. So erscheinen grundsätzliche Gegner der EU als Außenseiter, die angeblich keine Realpolitik widerspiegeln, sondern nur Ausuferungen eines angeblich gefährlichen „Populismus“ sind.

Wie die Massenmedien zu Leitmedien werden

Die großen Medienkonzerne und die öffentlich-rechtlichen Medien konnten bisher als Massenmedien die Agenda setzen, weil ihre tagesaktuellen Nachrichten schnell Eingang in die öffentliche Wahrnehmung finden. Die erste Nachricht der Tagesschau, die Schlagzeile in der Bildzeitung, die Debatte im Spiegel oder in der Zeit – dies sind die Themen, die früher oder später auch die Öffentlichkeit bewegen sollen.

Kleine Medien folgen den Leit- und Massenmedien, indem sie versuchen am Diskurs teilzunehmen. Wenn alle Massenmedien beispielsweise über Donald Trump diskutieren, müssen auch die kleinen Medien dieses Thema aufgreifen. Zeitungen und Internetmedien, die sich diesem Themendruck entziehen, fallen in Nischenpositionen.

Werden in den kleinen Medien andere Positionen vertreten, als in den großen Massenmedien, dann stehen sie unter einem anderen Begründungsdruck. Die Bild-Zeitung kann mit einer kurzen Schlagzeile Konsens erzielen, doch eine kleine Internetzeitung braucht mehr Argumente, um zu erklären, warum man von den üblichen Meinungen abweicht. Wenn die Massenmedien ununterbrochen berichten, wie wichtig die EU und der europäische Einigungsprozess seien, werden uninformierte Leser zunächst alternative Meinungen reflexartig zurückweisen. Die kleineren Medien mit alternativen Meinungen haben also sehr viel mehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Doch dies ist die einzige Chance, das Meinungsmonopol der Leit- und Massenmedien zu durchbrechen. Durch die Artikulation und Verbreitung von alternativen Meinungen, Vorschlägen und politischen Ideen außerhalb des von den Mainstream-Medien festgesetzten Spannungsfeldes wird ein neues Spannungsfeld konstruiert, welches das wirkliche Meinungsspektrum in der Gesellschaft sehr viel authentischer darstellt. Dann wird den Bürgern klar, dass Martin Schulz keine Alternative zu Angela Merkel darstellt, sondern nur alten Wein in neuen Schläuchen verkauft.

Nachtrag: Lesen Sie bitte in die diesem Zusammenhang auch den ISSB-Artikel „Wie uns die Mainstream-Medien die Grenzen des Meinungsspektrums aufzwingen“.